Die Fuente Interpersonal Relationship Assessment Methode, kurz „FIRA“, wurde von Thomas de la Fuente entwickelt, um ein Instrument zu schaffen, das als Ausgangspunkt zur Charakterisierung therapeutischer Beziehungen dienen kann. Wie unsere Durchsicht bestehender Methoden gezeigt hat, betonen praktisch alle die Frage, ob eine bestimmte Beziehung dem therapeutischen Ergebnis förderlich ist – oder eher nicht. Auf dieser Prämisse aufbauend treffen sie dann eine quantitative Aussage darüber, wie hilfreich die Beziehung für den Patienten sein könnte. Dieser Ansatz ist zwar nützlich, hat jedoch seine Grenzen, da viele qualitative Nuancen entweder übersehen werden oder nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Hier geht der FIRA Fragebogen einen anderen Weg. Er nutzt archetypische Situationen, die sich im Behandlungsraum manifestieren können, und fragt nach dem emotionalen Zustand sowohl des Patienten als auch des Therapeuten in diesen Situationen. Um noch genauer zu sein: Der FIRA untersucht das Empfinden von Patient und Therapeut bezüglich der Atmosphäre zwischen ihnen und bietet eine Auswahl von 24 archetypischen Mustern, die zur Beschreibung der Stimmung im Raum herangezogen werden können.
Damit ermöglicht der FIRA Fragebogen Psychoatherapeuten drei Dinge: Erstens unterstützt er sie dabei, die eigene Erfahrung der therapeutischen Beziehung zu analysieren und zu strukturieren. Die richtigen Worte zu finden, um die eigenen Eindrücke zu beschreiben, ist je nach Ausbildung und Arbeitsweise eines Klinikers in der zeitgenössischen Psychotherapie nicht unbedingt üblich. Psychoanalytisch orientierte Fachleute werden auf Übertragungs- und Gegenübertragungsreaktionen verweisen, aber selbst diese Gruppe wird selten die Atmosphäre zwischen sich und dem Patienten betonen – die qualitativen Aspekte der Beziehung an sich. Zweitens kann der FIRA dem Kliniker helfen einzuschätzen, inwieweit der Patient die Erfahrung der therapeutischen Beziehung teilt. Die Erwartung ist nicht, dass beide Parteien die gleichen FIRA-Ergebnisse liefern, wenn die Behandlung gut verläuft. Vielmehr kann die Berücksichtigung der im FIRA angezeigten Unterschiede dem Kliniker helfen, den Patienten besser zu verstehen.
Der FIRA ist zudem ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für die Erforschung der durch seine 12 Fragen repräsentierten Themen: Wenn sich ein Patient an eine bestimmte Situation deutlich anders erinnert als der Therapeut, kann ein genauerer Blick auf die Diskrepanzen nicht nur das gegenseitige Verständnis vertiefen, sondern auch zugrundeliegende emotionale Dynamiken offenbaren, die auf bewusster Ebene noch nicht bearbeitet wurden. Drittens kann es sein, dass der Patient – oder der Therapeut – bestimmte Situationen im klinischen Setting als unangenehm oder sogar verstörend empfunden hat: Sie könnten ihn an traumatische Ereignisse, verletzende Beziehungsmuster oder schwierige Gefühle wie Schuld, Bedauern und Scham erinnert haben. Der FIRA kann diese Herausforderungen in Fällen ans Licht bringen, in denen sie zuvor übersehen wurden. Er kann den Therapeuten auch dabei unterstützen, Bereiche zu identifizieren, in denen die vergangenen Beziehungserfahrungen des Patienten ihn davon abgehalten haben, die therapeutische Beziehung vollständiger als Sprungbrett für persönliche Transformation und Wachstum anzunehmen. Der FIRA geht somit über die bloße Bewertung der therapeutischen Beziehung zu einem bestimmten Zeitpunkt hinaus; er zielt darauf ab, den therapeutischen Prozess zu unterstützen, indem er die Bemühung erleichtert, die emotionalen Interaktionen zwischen Therapeut und Patient auf beiden Seiten stärker ins Bewusstsein zu bringen.
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